Die Geheimnisse der Herzkönigin

 

Vereinsgala des ETSV 09 in der Sparda-Bank-Sporthalle als großartige Fantasy-Revue

Zum Schluss zieht der Strudel alle in seinen Bann. Alle springen, tanzen und drehen sich um die Menschen-Pyramide des Showteams – alle 180 Mitwirkenden. Sie beginnen eine große Party. Die zweistündige Vereinsrevue am Samstag, den 17.11.2018 verstand sich als Fortsetzung der Gala 2017. Damals war das Rätsel um Alice im Wunderland nicht gelöst worden. In der diesjährigen Gala wird der Erzählfaden weitergesponnen.

Alice entdeckt mit Hilfe der guten Fee im Wunderland die Schatten ihrer Vergangenheit: Sie erkennt, dass sie an vielen Orten bereits gewesen ist, immer mehr Figuren des Märchenreiches kommen ihr bekannt vor. Im unheimlichen Schloss der Herzkönigin mit Hunderten von Sälen und dreizehn Badezimmern haust eine gekränkte Herrscherin. Denn einst waren Alice, der Hutmacher und die Königin Freunde gewesen. Sie durchlebten eine unbeschwerte Kindheit voller Abenteuer. Doch mit dem Erwachsenwerden legte sich der Schleier des Vergessens über Alice.

Das Wunderland nimmt durch die Darbietungen der einzelnen Abteilungen Gestalt an. Zunächst sieht man im Schattenspiel die Protagonisten – Alice, Hutmacher und die Herzkönigin- heranwachsen. Die Zuschauer werden Zeuge des vermeintlichen Verrats an der Herrscherin des Wunderlandes. Alice aber muss sich erst der Vergangenheit bewusst werden. Die Turner-Kinder in fantasievollen Tierkostümen helfen ihr dabei, das Kind in sich zu entdecken. Der Prinz Charming hat ein Geschenk für sie: Den heißen Schlitten mit PS-starken Papp-Motor stellen die „Pink-Panther“ auf die Bühne. Während wildgewordene Halbstarke über das Auto rocken, tanzen die kleinsten Rock´n Roller im Vordergrund ab. Der freundliche Flaschengeist Dschini führt den Hutmacher in den Trainingsraum des Schlosses der Herzkönigin, wo die Kartensoldaten Ihrer Majestät – die Leichtathletik-Jungs und -Mädchen und die Ochs-Kämpfer- Kraft und Ausdauer trainieren. Um ihre Einsamkeit zu verdrängen, verwandelt die Herzkönigin Statuen zum Leben und lässt sie grazil und anmutig tanzen. Dies stellen die Amateur- und Turnier-Paare der Tanzsportabteilung dar. In ihren eleganten Tanzkleidern schweben sie scheinbar schwerelos durch das Badezimmer der herzlosen Herzkönigin. Als der Hutmacher aus Liebeskummer in ein Unterzucker-Koma fällt, verwandeln sich die Turner- und Handballer-Kinder in Leckereien wie Lutscher und Bonbons. Das führt zum Zuckerschock und zu Halluzinationen im Kopf des Hutmachers: Lebensgroße Hüte, Raupen und Insekten robben über die Aufführungsfläche. In den verrückten Kostümen stecken die Mitglieder des Showteams. Die Zumba-Frauen und –Männer erscheinen ihm in seinem Zucker-Trip als schrille Drag-Queens. Hingegen wird die Aufführung der Jugendtanzpaare und der Mädchenturngruppe zum Spiegel der Seele der übellaunigen Herrscherin des Wunderlandes. Feenhaft tanzen sie in langen Gewändern um den Springbrunnen des Palastgartens. Die Eisstockschützen und die Kanuten symbolisieren mit einer ruhigen, bunten Lichtershow die unendlichen Tiefen des Weltalls genauso wie die Abgründe des verletzten Herzens der Monarchin. Nach der Pause wandern Alice und die gute Fee durch das Dorf des chinesischen Mädchens Mulan, einer starken Kämpferin, die mittlerweile erwachsen geworden ist und selbst Kinder hat, dargestellt durch die Parkour-Jugend- und Mädchengruppe. Und diese springen, hechten und laufen über die Parkour-Hindernisse im China-Style, als ob sie fliegen könnten. Im Dorf feiern die Paare der Tanzsportabteilung und die Leichtathleten ein Fest zur Befreiung vom Fluch der Königin im Disco-Fox-Rhythmus. Mit dabei ist ein Catering-Service mit Servier-Wagen, der dafür sorgt, dass der Schampus nie ausgeht. (Wild und durcheinander stellen sich die Gefühle von Alice dar) Derweil schließen sich Alice und die gute Fee kurzzeitig dem fahrenden Volk an: mit waghalsigen Turnübungen des Showteams auf der Airtrack, dem Schwebebalken und dem Barren. Der Hase kann der Retterin des Wunderlandes auf ihrem Weg zum Schloss nicht helfen. Er muss sich um seine riesige Familie kümmern, die Erwachsenen mit langen Hasenohren sind die Fitness-Sportlerinnen und Sportler bei rhythmischer Step-Aerobic, die jüngeren Leichtathleten warfen mit Karotten und sprangen über Zäunchen, die kleinen Häslein spielen die Kinder der inklusiven Sportschule (und die Leichtathleten-Kinder). Sie toben auf Mini-Tramps und der Weichbodenmatte. Wird es dem Hutmacher gelingen, sich seiner Angebeteten zu nähern? Weiße Segel symbolisieren das Trennende zwischen den beiden Herzens-Kranken. In einem anmutigen Tanz gelingt zunächst die Annäherung, ehe die abstoßenden Kräfte wieder die Überhand gewinnen und der Hutmacher hinter dem Tuch verschwindet. Die Kartensoldaten, eine Armee in Caro, Pik und Herz, die das Showteam stellt, wird von Wildschützen, den Fußball-Kleinen, glorreich besiegt, so dass es im Palast der Herzkönigin zum Showdown kommt – ein epischer Zweikampf im brasilianischen Capoeira-Stil. Im letzten Moment löst der Hutmacher das Jahrzehnte alte Missverständnis auf: Die Blume der ewigen Liebe galt nur der Herzkönigin. Diese hatte nicht richtig zugehört, als der Hutmacher mit Alice das Liebesgeständnis an die Königin des Herzens geübt hat.

Die volle Sparda-Bank-Sporthalle feierte die Darstellung mit großem Applaus. Ein halbes Jahr hatte der ganze Verein gemalt, geschneidert, gebastelt und geprobt. Nun waren alle gespannt, als der Abend der Aufführung endlich gekommen war. Vereinspräsident Karl Seidl konnte viele Ehrengäste begrüßen, darunter Herrn Oberbürgermeister Alexander Putz. Besonders lobte Seidl die herzerfrischende Art der Kinder, die Feuer und Flamme für die Aufführung waren. Die Choreografinnen Tanja Schedlbauer, Stephanie Neupert und Silke Wolf und den Verantwortlichen für die Gesamtleitung, Manfred Käser, holte Seidl auf die Bühne, um ihre großartige Leistung zu würdigen. In Anbetracht der Tatsache, dass mittelfristig keine Vereinsgala mehr geplant ist, mischte sich auch etwas Wehmut in die Freude über das gelungene Gesamtkunstwerk.