„DREIaloa“ bot zum Auftakt des 110-Jährigen Vereinsjubiläums bayerisches Wirtshauskabarett

Wie Niederbayern tickt, kann man am besten in der Metzgerei studieren. Das meint zumindest „da Ebner“ aus Straubing. Wenn die Chefin aus der Wurstküche  über die Theke in den Verkaufsraum schaut und fragt: „Ward ihr des, die hinten geklopft hamn?“ und die arglose Antwort „Ja“ lautet: Dann kommt die sehr niederbayerisch-paradoxe Antwort: „Des ham mer ned gheerd!“.

Zusammen mit seinen Kollegen Marco Vogl aus Altdorf und Thomas Voglmayer, ebenfalls aus Straubing, gab es am Freitag-Abend beim „09´er Wirt“ „DREIaloa“: Der Reihe nach standen die  befreundeten Kabarett-Entertainer auf dem Podium. Mit Witz, Musik und „Gschichterln“ begeisterten sie die über 200 Zuhörer. Zur ungeschminkten Wirtshauskultur gehört, dass dabei auch gegessen und getrunken wird. Das störte die Künstler nicht. Gnädig gönnten sie der „Currywurstfraktion“ Speis und Trank.

„Da Ebner“ ist ein Liedermacher in der Tradition von Freddy Fesl und Hans Söllner. Alltagsprobleme und Lebensträume sind die Themen seiner Lieder. Was zum Beispiel, wenn man den Autoschlüssel partout nicht mehr findet? Man geht durch, wo man ihn zuletzt gesehen hat: „Am Scheißhaus hab ich ihn no ghabt!“ lautet der Refrain, den spätestens bei der dritten Strophe alle mitsingen.

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Der Vogelmayer hat ebenfalls die Gitarre zur  Hand. Beim Lied vom schwarz-weißen Ritter mit dem schwarz-weißen Pferd verknotet er sich nicht die Zunge. Und das ist erstaunlich, gibt es doch auch den blau-gelben, grün-roten und unsichtbaren Ritter, die zusammen durch den Wald reiten, bis…. Sein Lied „Dahoam“ besingt die bayerische Heimat und kommt zu der Schlussfolgerung: Heimat ist kein geografischer Begriff – sondern ein „Gfuih“.

Für Marco Vogl hingegen ist der Auftritt eine vom Psychologen empfohlene Therapiestunde. Denn just am Ort des Geschehens, der Vereinsgaststätte des ETSV09, erlebte er als vierjähriger Knirps ein Trauma. Während all seine Freunde und Cousins als Indianer, Polizisten und Cowboys sogar mit Sherif-Stern verkleidet waren, zwängten ihn seine Eltern in ein Froschkostüm. Diesen Anblick enthielt er dem Publikum nicht vor. Im Sinne einer Gruppentherapie zeigte Marco Vogl das Kinderfoto mit Froschkostüm großformatig. Die zu erwartende Reaktion der Zuschauerinnen und Zuschauer stürzte den Kabarettisten erneut in die seelische Frustration: „Mei, wie süüüß!“ Da hilft nur noch Dialekt-Yoga mit dem Oberpfälzer Idiom. Denn bei den vielen Vokalen lösen sich die Charken und nach einem Schluck Hellem kommt der Energie-Flow. Das probierte er mit dem Publikum gleich einmal im Versuch aus.

Der Abend war nichts für Freunde des feinsinnigen, hintergründigen Humors. Ebner, Vogl und Vogelmayer haben eine Vorliebe für derbe Schenkelklopfer und zotige Klischees. Urologen, Frauenbrüste und der „Schoaß“ als Beziehungsindikator müssen schon sein. Und trotzdem blitzte auch Nachdenkliches auf. Was heißt es z.B., wenn die Mutter am Telefon sagt: „Ah, du bist´s. Dich habe ich gar nicht gewollt!“ Die Kabarettisten  machen die Feinheiten der deutschen Sprache bewusst: „Warum heißt es vor Sonnenuntergang „das Korn“ und „der Weizen“ und nach Sonnenuntergang „der Korn“ und „das Weizen“? Deftig ist es nun einmal im bayerischen Wirtshaus: ungeschminkte Wirtshauskultur grob, laut und lustig.